KUNZTEN show #5 – ECHOES
Flutgraben e.V.
4. – 12. Juli 2026
Opening: 4.7. 18-22:00
Öffnungszeiten: 9.-12.7. 14 - 19:00
Finissage: 12.7. 18 - 22:00
Historische Führung: Samstag, 11. Juli, 12 Uhr
Das denkmalgeschützte Backsteingebäude am Flutgraben blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Einst Grenzgebäude zwischen Ost und West, erzählt es bis heute von den Spuren der deutschen Teilung. Die historische Führung führt durch das Haus und beleuchtet seine Vergangenheit ebenso wie seine heutige Nutzung als Ausstellungsort und Atelierhaus mit rund 50 Künstler*innenateliers.
Kuratorische Führung: Samstag, 11. Juli, 14 Uhr
Was verbindet die ausgestellten Werke miteinander? Welche Fragen stehen hinter der Ausstellung ECHOES? In einer öffentlichen Führung geben die Kuratoren Luis Bortt und Leopold Schaefer Einblicke in das Ausstellungskonzept und sprechen über die Entstehung der gezeigten Werke sowie die inhaltlichen Verbindungen zwischen den einzelnen künstlerischen Positionen.
Artist Talk: Sonntag, 12. Juli 17 Uhr
Zum Abschluss der Ausstellung ECHOES findet ein Artist Talk mit beteiligten Künstlerinnen statt. Erstmals wird die seit 2020 bestehende Interviewreihe "An Artist Interview" von KUNZTEN direkt in den Ausstellungsraum verlegt. In der Reihe wurden bereits über 50 Künstler*innen vorgestellt. Im Gespräch geben die teilnehmenden Künstler*innen Einblicke in ihre Arbeitsprozesse, künstlerischen Einflüsse und die Ideen hinter ihren Werken. So entsteht ein unmittelbarer Dialog zwischen Kunst, Künstler*innen und Publikum.
Das Gedächtnis der Bilder
Bilder begegnen uns überall. Sie erscheinen auf Bildschirmen, in Werbekampagnen, auf Plakaten, in sozialen Medien. Viele von ihnen wirken zeitgenössisch und doch reichen ihre Ursprünge weit zurück. Die Pose eines Körpers, die Darstellung von Macht, die Inszenierung von Schönheit oder die Vorstellung von Zugehörigkeit folgen häufig Bildtraditionen, die über Jahrhunderte weitergegeben wurden. Bilder verschwinden nicht. Sie verändern ihre Form, tauchen an neuen Orten auf und prägen oftmals unbemerkt die Art und Weise, wie wir die Welt betrachten.
Die Ausstellung ECHOES versammelt künstlerische Positionen, die sich mit diesen Nachwirkungen von Bildern beschäftigen. Sie fragt danach, wie visuelle Vorstellungen durch die Geschichte wandern, sich in das kollektive Gedächtnis einschreiben und bis heute unsere Wahrnehmung beeinflussen. Dabei geht es nicht allein um kunsthistorische Referenzen. Die in der Ausstellung versammelten Arbeiten untersuchen ebenso politische Narrative, gesellschaftliche Zuschreibungen, technologische Zukunftsbilder und kulturelle Mythen. Die gezeigten Künstler*innen wurden in den vergangenen Jahren im Rahmen von KUNZTEN vorgestellt. Ihre Arbeiten verbindet weder ein gemeinsames Medium noch eine einheitliche Ästhetik. Gemeinsam ist ihnen vielmehr das Interesse an den Spuren, die Bilder hinterlassen und an den Mechanismen, durch die bestimmte Darstellungen überdauern, während andere verschwinden. Geschichte erscheint in ihren Arbeiten weniger als abgeschlossenes Archiv denn als etwas, das fortwährend neu aktiviert wird. Historische Bilder werden nicht einfach zitiert oder reproduziert. Sie werden verschoben, hinterfragt und für gegenwärtige Fragestellungen geöffnet.
Rebekka Benzenberg untersucht in ihren Arbeiten, wie sich gesellschaftliche Vorstellungen von Schönheit, Körper und Weiblichkeit über Bilder einschreiben und weitertragen. Driving Blind greift eine Aktstudie von Rubens auf, in der drei “Grazien” nicht als individuelle Personen erscheinen, sondern als Idealbilder weiblicher Körper. Benzenberg geht es dabei vor allen Dingen um die historische Bildtradition, die durch die Abbildung begründet ist: weibliche Körper als Projektionsflächen eines männlichen Blicks. Ihre Arbeit lädt dazu ein, diese über Jahrhunderte wirkmächtigen Bildmuster neu zu betrachten. Luana Cloșcă beschäftigt sich mit der Frage, wodurch Bilder Glaubwürdigkeit und Autorität erhalten. VEIL (Likeness and Presence) greift das Vera Icon (das "wahre Bild") als Ursprung westlicher Bildtraditionen auf und untersucht, wie Bilder ihre Legitimation gewinnen.
Felix Giesen interessiert sich für die visuelle Konstruktion gesellschaftlicher Rollen und kollektiver Identitäten. Für Werke wie Für Verdienste verarbeitet er Fotografien von Burschenschaftstreffen, mit denen er eigens trainierte KI-Modelle speist. Die daraus entstehenden Bildwelten überführt er mittels Druckverfahren und malerischer Eingriffe auf Leinwand. So entstehen Arbeiten, die sich zwischen digitaler Bildproduktion und Malerei bewegen und Inszenierung von Männlichkeit, Uniformität und Gemeinschaft hinterfragen. Irving Ramó setzt sich ebenfalls mit kunsthistorischen Bildtraditionen auseinander. Ausgehend von Herrscherporträts Alter Meister dekonstruiert er patriarchale und koloniale Machtverhältnisse. Körper überlagern sich, lösen sich auf und entziehen sich festen Identitäten. So entstehen vielschichtige Bilder zwischen Männlichkeit, Sexualität und Verletzlichkeit.
Jonas Höschl untersucht, wie Bilder politische Wirklichkeit herstellen und gesellschaftliche Narrative prägen. Ausgangspunkt seiner Videoarbeit Why are you crying? ist Gloria von Thurn und Taxis und die Versteigerung ihrer Kunstsammlung im Jahr 2005. In dieser wurde Richard Princes gleichnamiges Werk verkauft. Höschl interessiert sich weniger für die Auktion selbst als für die Zirkulation von Bildern und die Geschichten, die sich in Medien einschreiben. Auch Murat Önen arbeitet mit kunsthistorischen Bezügen. Seine Gemälde greifen unter anderem Motive Cézannes auf und verbinden diese mit autobiografischen Erinnerungen, Traumwelten und persönlichen Erfahrungen. Vergangenheit und Gegenwart treten so in einen offenen Dialog, in dem kunsthistorische Bildtraditionen wie Echos weiterwirken.
In Die Luft, die sie atmen (für Afsar) widmet sich Neda Aydin der Geschichte ihrer Mutter, die 1979 im Iran als politische Gefangene inhaftiert wurde. Gabionengitter werden dabei zu Sinnbildern von Machtstrukturen. Mit den Gittern sind schwarze, zylindrische Keramikobjekte verwoben, die in abstrahierter Form an Luftröhren erinnern. Die Arbeit verbindet persönliche Erinnerung mit universellen Fragen nach Repression und Freiheit. Minu Park richtet den Blick auf hybride Körper. Auch Yellow Cyborg III greift die ambivalente Beziehung der Künstlerin zu ihrer Mutter auf. Die aus bemaltem Latex gefertigte Hülle des Cyborgs wurde von der Mutter der Künstlerin in Südkorea von Hand bestickt. So werden digitale Bildwelten mit traditionellem Handwerk verbunden. Familiäre Zusammenarbeit wird damit selbst zum Bestandteil des Werkes und erweitert den Cyborg um Fragen von Fürsorge, Erinnerung und Identität.
Die Künstler*innen von ECHOES blicken nicht nostalgisch auf die Vergangenheit zurück. Sie rekonstruieren keine historischen Bildwelten und suchen nicht nach einem vermeintlichen Ursprung. Vielmehr legen sie offen, wie sehr unser Blick von Bildern geprägt bleibt, die lange vor unserer eigenen Gegenwart entstanden sind. Ihre Arbeiten zeigen, dass Bilder niemals nur Abbilder sind. Sie formen Vorstellungen, erzeugen Zugehörigkeiten, stabilisieren Hierarchien und beeinflussen gesellschaftliche Wirklichkeiten.
Noch nie wurden so viele Bilder produziert, geteilt und konsumiert wie heute. Gleichzeitig geraten ihre Ursprünge zunehmend aus dem Blick. ECHOES richtet die Aufmerksamkeit auf diese verborgenen Verbindungen. Die Ausstellung fragt danach, welche Bilder unsere Vorstellungen prägen, welche Narrative sich hartnäckig halten und wie Künstler*innen diese sichtbar machen, verschieben oder auch unterlaufen können. Sie folgt den Spuren von Bildern durch Zeit und Geschichte und untersucht, wie kulturelles Gedächtnis entsteht, fortgeschrieben wird und sich verändern lässt.
Denn Bilder verschwinden nicht.
Pola van den Hövel
Das Projekt wird aus Mitteln des Programms des Landes Berlin zur kulturellen Infrastrukturerhaltung und -entwicklung in den Bezirken (Bezirkskulturfonds) gefördert. Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und des Bezirksamtes Treptow-Köpenick Berlin, Fachbereich Kultur und Museum.
Poster: Maximilian Schaefer
KUNZTEN show #5 – ECHOES
Flutgraben e.V.
4. – 12. Juli 2026
Opening: 4.7. 18 - 22:00
Opening Hours: 9–12 July, 14:00–19:00
Finissage: 12 July, 18:00–22:00
Historical Tour: Saturday, 11 July, 12:00
We are delighted to highlight the rich history of Flutgraben through a historical tour of the building. The listed brick building once served as a border facility between East and West Berlin and is located directly alongside the canal from which it takes its name. During the tour, we will discover traces of the Berlin Wall and former border fortifications, as well as learn about the building’s current use, which, in addition to the exhibition space, houses nearly 50 artists’ studios.
Curatorial Tour: Saturday, 11 July, 14:00
In a public curatorial tour, exhibition curators Leopold Schaefer and Luis Bortt will offer insights into the various works on display. Together with visitors, they will explore the backgrounds of the artworks’ creation as well as the broader narrative that connects them.
Artist Talk: Sunday, 12 July, 17:00
We are also pleased to bring our interview series “An Artist Interview,” which we have continued since 2020 and through which more than 50 artists have already been featured, into the exhibition space for the first time through an artist talk. Participating artists will offer insights into their working processes, conceptual influences, and personal backgrounds.
The Memory of Images
Images surround us everywhere. They appear on screens, in advertising campaigns, on posters, and across social media. Many of them seem contemporary, yet their origins often stretch far into the past. The pose of a body, the representation of power, the staging of beauty, or the notion of belonging frequently follow visual traditions that have been passed down over centuries. Images do not disappear. They change form, emerge in new contexts, and often shape the way we view the world without us even noticing.
The exhibition ECHOES brings together artistic positions that engage with these aftereffects of images. It explores how visual ideas travel through history, become inscribed into collective memory, and continue to influence our perception today. This is not solely a matter of art historical references. The works assembled in the exhibition also examine political narratives, social constructions, technological visions of the future, and cultural myths. The featured artists have been presented by KUNZTEN over the past years. Their works are connected neither by a common medium nor by a shared aesthetic. Rather, they are united by an interest in the traces images leave behind and in the mechanisms through which certain representations endure while others disappear. In their works, history appears less as a closed archive than as something that is constantly reactivated. Historical images are not simply cited or reproduced. They are displaced, questioned, and opened up to contemporary concerns.
The artists of ECHOES do not look back on the past with nostalgia. They do not reconstruct historical visual worlds or search for an alleged point of origin. Instead, they reveal the extent to which our gaze remains shaped by images that emerged long before our own present. Their works demonstrate that images are never merely representations. They shape ideas, create forms of belonging, stabilize hierarchies, and influence social realities.
Never before have so many images been produced, shared, and consumed as today. At the same time, their origins are increasingly slipping from view. ECHOES draws attention to these hidden connections. The exhibition asks which images shape our imagination, which narratives persist with remarkable tenacity, and how artists can make these visible, shift them, or even subvert them. It follows the traces of images through time and history, examining how cultural memory is formed, perpetuated, and transformed.
Because images do not disappear.
Pola van den Hövel
This project is funded through the Berlin State Programme for the Preservation and Development of Cultural Infrastructure in the Districts (Bezirkskulturfonds). With the kind support of the Senate Department for Culture and Social Cohesion and the District Office of Treptow-Köpenick Berlin, Department of Culture and Museums.
Poster: Maximilian Schaefer